Wahlprüfsteine 2026

Am 20. September 2026 findet die 20. Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin statt.

Im Vorfeld tragen das Netzwerk TanzRaumBerlin und der Zeitgenössische Tanz Berlin e.V. Fragen an die Parteien heran. Die Beantwortung dieser Fragen soll Einblick in Konzepte und Vorhaben der jeweiligen Partei bezüglich dringlich anstehender Gestaltungsaufgaben im Bereich Tanz für Berlin geben.

Zeitgenössischer Tanz Berlin e.V., Vorstand: Claudia Garbe, Julia B. Laperrière, Ana Laura Lozza, Arantxa Martínez, Laurie Young, Siegmar Zacharias

Netzwerk TanzRaumBerlin: ada Studio Berlin · Constanza Macras / DorkyPark · fabrik Potsdam · HALLE TANZBÜHNE BERLIN / cie.toula limnaios · HAU Hebbel am Ufer / Tanz im August · Hochschulübergreifendes Zentrum Tanz Berlin (HZT) · LaborGras · Lake Studios Berlin · Mediathek für Tanz und Theater · PURPLE – Internationales Tanzfestival für junges Publikum · Radialsystem · Sasha Waltz & Guests · Sophiensæle · Staatsballett Berlin · Tanzfabrik Berlin e.V. · Tanzhalle Wiesenburg · TanzTangente · TanzZeit e.V. · Uferstudios · Zeitgenössischer Tanz Berlin e.V.

 
Wahlprüfstein 1: Strukturelle Stärkung des Tanzes
Strukturell gliedert sich die Sparte Tanz in Berlin wie folgt auf: 1. in vier institutionell geförderte Compagnien mit eigenen künstlerischen Handschriften (darunter das Staatsballett Berlin als Teil der Stiftung Oper ohne eigene Bühne), 2. in eine zwar breite, aber sehr fragil aufgestellte dezent-rale Infrastruktur der Produktionsorte und Spielstätten, die weitgehend privatwirtschaftlich organi-siert ist, 3. in eine 2500 Akteur*innen starke Künstler*innenschaft, von denen 2300 als Soloselbst-ständige unter hoch prekären Arbeitsbedingungen die künstlerische Vielfalt des Tanzes in Berlin prägen. Ca. 1800 Vorstellungen zählt der Berliner Tanzkalender pro Jahr, der enorme Output so-wie die ästhetische und künstlerische Diversität der Berliner Tanzkünstler*innen strahlen durch unzählige nationale und internationale Gastspiele weit über die Hauptstadt hinaus und gelten welt-weit als einmalig.
Wie viel aber ist der Tanz der Stadt Berlin wert? Die Förderung des Tanzes mit all seinen Künst-ler*innen und Einrichtungen nimmt im Berliner Kulturhaushalt 3% ein, in der Maßnahmengruppe der Darstellenden Künste MG 02 „Bühne/Tanz“ ist der Tanz neben den beiden weiteren (Bühnen-)Sparten Theater und Oper mit ca. 9% deutlich unterrepräsentiert. Der Tanz in Berlin ist nicht insti-tutionalisiert und kämpft seit Jahrzehnten um die Auflösung dieses strukturellen Defizits.

  • Inwieweit setzt sich Ihre Partei für die Behebung des strukturellen Defizits im Tanz ein? Mit welchen Maßnahmen plant Ihre Partei, den Tanz zu stärken und seine unzureichende Finan-zierung im Kulturhaushalt auszugleichen
  • Inwieweit setzt sich Ihre Partei für den Erhalt der einmaligen dezentralen Struktur Berliner Tanzorte ein und macht sich gleichzeitig stark für das seit Jahrzehnten geforderte – und seit dem Runden Tisch mit Konzeptpapieren konkretisierte – Vorhaben eines Berliner Hauses für Tanz und Choreografie inklusive TanzArchiv und Tanzvermittlungszentrum?
  • Der Tanz ist als Raumkunst auf bezahlbare, temporär wie langfristig anzumietende Arbeits-räume angewiesen. Welche Arbeitsraumpolitik verfolgt Ihre Partei? Über die Standortsicherung hinaus, wie stellen Sie den Ausbau des Arbeitsraumprogramms sicher?

 

Wahlprüfstein 2: Sicherung des künstlerischen Arbeitens
Kulturförderung hat die Aufgabe, professionelles künstlerisches Arbeiten als vollständige Er-werbsbiographie über alle Altersstufen hinweg anzuerkennen. Dies bedeutet, Arbeit an den Institu-tionen wie in der Freien Szene gleichermaßen als Teile der professionellen Kulturlandschaft zu honorieren, den Bedarfen in den unterschiedlichen Karrierestufen gerecht zu werden, den Über-gang der Künstler*innen in das und aus dem Berufsfeld strukturell abzusichern und zu begleiten und kontinuierliches, professionelles Arbeiten zu sichern.

  • Angesichts von durchschnittlich ca. 12.000 € Jahresbruttoeinkommen im Tanz, welches Mo-dell zu sozialen Mindeststandards / zur sozialen Absicherung von freischaffenden Choreo-graf*innen und Tänzer*innen verfolgt Ihre Partei?
  • Wie würde Ihre Partei sich dafür einsetzen, ein Modell zur sozialen Absicherung von Künst-ler*innen (Beispiele aus Irland, Frankreich, Belgien) auch in der Bundesgesetzgebung zu ver-ankern?
  • Im November 2025 hat der BFDK die Empfehlungen der Honoraruntergrenze für freischaffen-de Künstler*innen in Anlehnung an die angehobenen Mindestgagen im NV Bühne erhöht. Wie stellt Ihre Partei eine faire Entlohnung für professionelle künstlerische und kulturelle Arbeit in den Darstellenden Künsten auch über diese Mindeststandards hinaus sicher, in der die Absi-cherung von Lebensrealitäten wie Krankheit, Elternschaft, Care-Arbeit, Berufsunfähigkeit, das Risiko von Altersarmut als Teil der Kulturförderung mitgedacht wird?
  • Wie würde Ihre Partei ein dynamisches Fördersystem konzipieren, das auf schwankende Entwicklungen von Inflation, Mietsteigerung, Tarifentwicklung etc. z. B. durch dynamische In-dexierung von Fördertöpfen/Zuwendungen reagiert (Kopplung von Mindesthonoraren an Tari-fentwicklung, Indexierung von Sachkosten / Mietpreisanpassung)?

 
Wahlprüfstein 3: Distribution & Sichtbarmachung des Tanzes
(Inter)nationale Gastspiele und Vernetzung stellen ein wichtiges Standbein für die wirtschaftliche Unabhängigkeit und Entwicklung von Compagnien und freien Choreograf*innen dar. Das Ende des Distributionsfonds (Maßnahme aus dem Runden Tisch Tanz) zur Unterstützung von Künst-ler*innen in der inter-/nationalen Vernetzung und Akquise, die Streichung des Förderinstruments Reisekostenzuschüsse für Auslandsvorhaben sowie das Aus der Onlineplattform www.tanzforumberlin.de, die ein wichtiger Motor der Vermarktung von Berliner Künstler*innen war, schaden der Branche massiv.

  • Mit welchen Maßnahmen stellen Sie sicher, dass der Tanz/die Darstellenden Künste jenseits der üblichen projektgeförderten 2-4 Vorstellungen nachhaltig produzieren und sichtbar in der Stadt Berlin wirken kann?
  • Mit welchen Maßnahmen stellen Sie sicher, dass der Tanz aus Berlin sein weltweites Renom-mee halten und inter-/national ausstrahlen kann?
  • Wie sichern Sie zukünftig die Sichtbarmachung des Tanzes aus Berlin analog und digital?

 
Wahlprüfstein 4: Transparenz
Die Kunst- und Kulturszene ist im Zuge von Fördermittelaffären und versuchter oder tatsächlicher Einflussnahme durch die Politik an Kulturprogrammen auf Landes- und Bundeseben stark verun-sichert.

  • Wie setzt sich Ihre Partei weiterhin für die Kunstfreiheit ein und stellt die Umsetzung des Arti-kels 5 des Grundgesetzes sicher? Welche Strategien sehen Sie im Zusammenschluss der demokratischen Parteien im bestehenden Kulturkampf von rechts?
  • Wie stellen Sie sicher, dass politische Einflussnahme auf Kunst- und Förderprogramme verhin-dert wird?
  • Wie unterstützen Sie die Kulturverwaltung, jurierte Verfahren umzusetzen und vor politischer Einflussnahme zu schützen?
  • Wie stellen Sie die Verbindlichkeit von partizipativen Prozessen und ihren Gutachten wie dem Runden Tisch Tanz sicher?

 
Wahlprüfstein 5: Diversität
Der Tanz mit seinen Akteur*innen ist in seiner Vielfältigkeit wie kein anderes Genre ein Spiegelbild der Stadtgesellschaft. Mit Pilotprojekten wie dem mittlerweile bundesweiten Netzwerk MAKING A DIFFERENCE und dem aus dem Runden Tisch Tanz hervorgegangenen Programm IMPACT-Förderung hat er in den letzten Jahren wegweisende Maßnahmen zum Abbau von Barrieren und Möglichkeiten der Teilhabe in der Kunst hervorgebracht.

  • Wie wollen Sie nachhaltige Konzepte für den Abbau von Barrieren umsetzen? Welche Rolle spielen für sie dabei Programme wie MAKING A DIFFERENCE und die IMPACT-Förderung?
  • Wie sorgt Ihre Partei dafür, dass sich die Vielfalt der Stadtgesellschaft in der Kulturförderland-schaft abbildet?

 
Wahlprüfstein 6: Verbindlichkeiten für die Berliner Kunst und Kultur

  • Wie würde sich Ihre Partei dafür einsetzen, die Punkte 1-5 rechtlich verbindlich im Rahmen ei-nes Kulturfördergesetzes zu implementieren? In welcher Zeitschiene innerhalb der nächsten Legislatur und mit welchem Verfahren planen Sie die Implementierung des Kulturfördergesetzes?
  • Ursprünglich war die City Tax als Kulturabgabe geplant: 100% für Kultur und davon 50% für die freie Szene. Wie würde sich Ihre Partei dafür einsetzen, die Punkte 1-5 finanziell durch eine deutliche Anhebung des Kultursatzes der City Tax abzusichern?
  • Sind sie der Meinung, dass der Kulturbereich seiner Bedeutung für Berlin entsprechend vom Sondervermögen des Bundes profitieren sollte und welche Maßnahmen erachten sie in diesem Zusammenhang über die bereits getroffenen Schwerpunktsetzungen hinaus für sinnvoll?

Kommende Veranstaltungen

Am Sonntag, den 11. Januar, veranstalten wir die 6. Ausgabe der Future Workshop-Reihe – eine fortlaufende Zusammenarbeit zwischen dem Tanztage Festival und ZTB e.V., die seit 2021 besteht.

ZTB e.V. Future Workshop feat. Freelance Dance Ensemble: #6 Zum Thema Wert

Was ist der Wert unserer Arbeit? In einer neoliberalen, von Profit, Verlust und Rendite getriebenen Ökonomie: Wie können wir den Wert künstlerischer Arbeit definieren und bekräftigen – etwas, das sich seinem Wesen nach nur schwer quantifizieren lässt? Liegt ihr Wert ausschließlich in der finanziellen Vergütung? Was ist heute aus dem Wert von Kunst und künstlerischer Praxis geworden? Vielleicht geht es nicht nur darum, den Wert der Künste neu zu definieren, sondern auch darum, unter welchen Werten und Bedingungen wir weiterhin als Tänzer*innen, Movers, Choreograf*innen und Tanzschaffende kreieren und arbeiten können. Mit anderen Worten: Für welche Werte wollen wir im heutigen Deutschland stehen?…

https://tanztage.sophiensaele.com/en/stueck/6-wertvalue

Hologram Workshop
So, 11.01.
13:00–16:00 Uhr
Von und mit: Magdalena Jadwiga Härtelova
Co-Facilitators: florence freitag, Holly Sass, Lark Hill

Podiumsdiskussion
So, 11.01.
17:00 Uhr
Panelgäste: Emma Holten, Magdalena Jadwiga Härtelova, Jenny Dagg, Colleen Ndemeh Fitzgerald
Moderation: Zeitgenössischer Tanz Berlin e.V. / Julia B. Laperrière, Siegmar Zacharias
Konzept: Julia B. Laperrière, Ana Laura Lozza, Siegmar Zacharias

Neuer Artikel über unsere letzte Zusammenarbeit mit dem Freelance Dance Ensemble Berlin und dem Tanzbüro: Training for Political Imaginaries

Im September 2025 haben wir mit Freelance Dance Ensemble Berlin und Tanzbüro Berlin zusammengearbeitet, um einen Workshop im Rahmen von TanzAllianzen zu veranstalten. Alice Heyward – Tänzerin, Performer, Choreografin und Autorin – hat den Workshop dokumentiert und eine gründliche, mutige Reflexion verfasst.

 

Training for Political Imaginaries: Reclaiming Futures in Dance in Berlin
by Alice Heyward

Gathering in the Wreckage

Amid fatigue, grief, fear, and courage, a small group of artists, cultural workers, and curators gathered on 20–21 September 2025 at DIORAMA—the central working space of Jefta van Dinther and collaborators. Co-hosted by FreelanceDanceEnsembleBerlin (FDEB) together with Zeitgenössischer Tanz Berlin (ZTB) e.V., the weekend formed part of TanzAllianzen, a nationwide network project initiated by Tanzbüro Berlin with ten dance offices and networks across ten federal states. With this weekend, Tanzbüro Berlin formally handed over the Berlin satellite format of TanzAllianzen to key players in the Berlin dance scene. Within this context, the two-day meeting addressed ongoing struggles in the field and their historical and future entanglements.

As Bettina Knaup chillingly warned in a workshop breakout group, the question in Germany today is not if the AfD will come to power, but when—and how we prepare for an even darker political climate. The gathering aimed to reforge resistance: to rupture the individualising logic of freelance careers and bridge struggles between state violence abroad and austerity at home amid the rise of fascism.

It was a discursive and practice-based intervention in the troubled terrain of independent contemporary dance in Berlin. Already a precarious field composed largely of migrant artists, dance in Berlin, and those who work in the field, now face existential threats from substantial government cuts to cultural funding, education, healthcare, and urban planning, amid drastically rising living costs in the city.

Austerity and Complicity

The significant arts cuts were part of a broader austerity package adopted on 19 December 2024, when the Berlin Senate passed the 2025 budget, slashing approximately €130 million from arts and culture.

Germany’s debt crisis and austerity program cannot be blamed solely on COVID expenditure and budget savings. Another force driving these cuts is the exponential increase in military and “defence” spending. Germany, infamously guilty of the Nazi regime’s horrific genocidal crimes of the Holocaust, remains ensnared by its Staatsräson—formalised by Angela Merkel in 2008 as Germany’s historical responsibility for Israel’s security. This position, bolstered by the state’s adoption of the IHRA (International Holocaust Remembrance Alliance) definition of antisemitism, effectively conflates criticism of Israel with antisemitism, institutionalising repression and silencing dissent.

Germany is now the world’s second-largest external supplier of arms to Israel. As we have witnessed—livestreamed daily since Hamas’s deadly attacks and hostage-taking on 7 October 2023—Netanyahu’s government has bombarded Gaza ceaselessly, killing over 70,000 people and displacing its entire population. Germany’s support for Israel persists, even as global condemnation intensifies.

Lawmakers amended the Basic Law to lift the “debt brake” for defence spending, enabling massive rearmament. While the move responds in part to real threats posed by Putin’s war on Ukraine, the German state—bound by its own murderous past—has become complicit in the genocide in Gaza, funnelling millions toward destruction while cutting support for art, care, and education at home.

The connection is clear: Germany is fostering militarism while punishing cultural critique. In Berlin, this has manifested, and continues to, as a suffocating social climate of cultural repression and fear around expressing solidarity with Palestine. The attack on cultural funding cannot be separated from the silencing of dissent.

Disillusionment and Contradiction

By December 2024—over a year into the relentless bombardment of Gaza and Germany’s violent suppression of pro-Palestine protests—I was in despair about how to fight against the cultural cuts. It felt incongruous to march passionately for arts funding when I sensed many loud voices for this cause weren’t also marching for Palestine. Marching against the arts cuts was encouraged, yet marching for Palestinian liberation came with police arresting and harassing the protestors, and the threat of censorship, defunding, deplatforming and even deportation. It is profoundly unjust that those protesting the genocide in Gaza must cover their faces to avoid recognition and the severe repercussions that may follow. Kitty O’Brien is one of many who have recently endured such consequences, sustaining broken bones after being assaulted by Berlin police. How oppressive to be culturally sanctioned to protest against one violence, but not another, when both, one abroad, one at home, stem from the same state apparatus.

Countless artists, activists, and public figures who have spoken out for Palestine have been censored, stigmatised, or deplatformed, losing even more work amid austerity. Projects such as Archive of Silence have emerged to document this repression. Even a wordless painting by Hamishi Farah, depicting former culture minister Joe Chialo, was censored at Transmediale 2025. The painting, simply a portrait of the senator, slyly announced by curator Eugene Yiu Nam Cheung to be the basketballer Michael Jordan, laid bare how racial misrecognition, irony, and censorship intersect in Germany’s cultural politics, exposing the uneasy ties between its professed solidarity with Israel and its ongoing dismantling of public arts funding. Chialo’s ministry pushed for the IHRA definition as a grant requirement following October 7—only to be thankfully overturned after mass protests and the launch of the Strike Germany action, which called for a boycott of state institutions. Still, Farah’s painting was deemed “inappropriate” and removed, revealing that nonviolent, even latent, critique itself is punished.

Berlin’s mythology of freedom has curdled into provincial repression. Artist Ella CB, in her podcast We Lost the Plot (The Tale and the Tongue, ep. 25), critiques how “culture and remembrance” have been weaponised for fascist politics. And as John Holton wrote in Spike Art Magazine: “What was once an environment that facilitated art and imaginative dreaming has become something of a Potemkin village.”

Despite all this, disillusionment is not my, nor the participants’ in Training for Political Imaginaries‘, default position. Though radically different in scale, quality and consequence, the genocide in Gaza and the destruction of independent dance in Berlin emerge from the same reactionary turn. Both demand solidarity. To fight one without the other is to miss their shared root: the state’s attack on imagination and dissent.

Day 1 — Organising Against Isolation

The first day of the weekend meeting began with the diagnosis that has haunted us for years: fragmentation, exhaustion, atomisation. Without new collective imaginaries, we risk remaining captives of neoliberal time—forever hustling and precarious.

Representatives from GDBA and Dancers Connect (Hannah Walther and Anika Bendel) joined via Zoom for a conversation outlining legal frameworks and advocacy models. We discussed the limits of existing unions, associations and otherwise for freelance artists—ver.di Berlin-Brandenburg; Fachbereich Medien, Kunst und Industrie; Arbeitsgruppe Art Worker Solidarity and bbk berlin e.V..

After Hannah Walther and Anika Bendel left, Sonja Hornung, who is is a part of a the Arbeitsgruppe Art Worker Solidarity (a working group of bbk berlin/Professional Association of Visual Artists Berlin), shared rich insight into how the visual arts sector in Berlin campaigns and organises. We imagined new hybrid forms: associations that defend both artistic autonomy and workers’ rights. How to demand fair conditions (sick pay, social security, pensions) within a system accustomed to denying them? How to resist being atomised subjects, competing for scraps of funding and visibility?

We discussed data collection to expose precarity, while acknowledging how metrics can erase lived experience. Siegmar Zacharias cooked a Romanian soup for the break, and each person received €20 for their participation —a small redistribution that both acknowledged and resisted the realities of scarcity.

The afternoon deepened into a conversation about intersecting alliances and institutions that are at work for the field of dance in Berlin and the urgent issues at stake. Freelance Dance Ensemble Berlin was initiated by Claire Vivianne Sobottke, Jared Gradinger, Silke Bake, Sheena McGrandles, Martin Hansen, Jule Flierl, Laurie Young & Siegmar Zacharias. Zacharias and Young have also joined the board of ZTB alongside Julia Laperrière, Ana Laura Lozza, Claudia Garbe and Arantxa Martínez in 2024 in response to the funding cuts. The group addressed the necessity for a fair practice agreement, transparency, gender equity, the struggles many Berlin-based freelancers face with migration, and affirmed compliance with the minimum wage as a baseline for resistance. Laurie referenced the Canadian Alliance of Dance Artists (CADA) as a long-term model of sustainable activism: structured resistance.

Day 2 — Three Horizons

Sunday’s workshop, Exploring Futures – Shaping Change, employed the Three Horizons framework (‘3H’, developed by Bill Sharpe), led by the facilitator Katja Sonnemann, to map systemic transformation across temporal scales:

Horizon 1: Current state
Horizon 2: Disruptive innovations
Horizon 3: Emerging futures

This exercise’s radical potential lies in collapsing what is “realistic.” Our discussion envisioned a dance ecology grounded in resilience and autonomy, free from political and economic control. We imagined structural funding for independent artists, more diverse leadership, and abolition of white supremacist and ableist decision-making. We called for a renewed social valuation of art, for residencies, fair copyright laws, international solidarity and rich criticism cultures.

The conversation moved between the poetic and the practical: Can compassion, rest, and care become economic indicators? How might dance ally with the healthcare and education sectors? How can somatic practices extend beyond studios to social life?

We asked how to fund dance without state complicity. How absurd is the expectation to crowdfund via personal social media platforms for danceWEB scholarships at ImPulstanz, while many in the community are crowdfunding for food and eSIMs in Gaza? While protesting both the state’s cuts to the arts and its support for Israeli arms in the war in Gaza is vital, there’s something disproportionate, illuminated by the algorithm’s homogenising effect on content, about soliciting peer donations for one’s professional endeavours on the same online platforms used to call for lifelines for displaced and starving civilians. The expectation to market one’s artistic work under such conditions is unfair and disillusioning.

How then can dancers fund these endeavours? What forms of protest and activism do we imagine and invent? How to protest and rally for what cause? The group emphasised training for solidarity. We spoke of intergenerational exchange, historical awareness and the need to connect with workers in other precarious sectors—care, cleaning, logistics—to build transversal alliances.

Practical ideas emerged for the next 3–9 months: forming small working groups, developing new governance models and drafting unified messages. Proposals included monthly workshops, open letters, and mutual aid networks. The urgency was to keep visionary thinking and pragmatic action together: to unionise without losing imagination.

Tensions and Contradictions

Inclusion vs Marginalisation:Political radicality demands reflexivity. Who speaks? Who risks more? Who is excluded by language, debt, or ability? The more combative the rhetoric, the greater the vigilance required to unlearn hierarchies within our own scene.

Sustainability vs Momentum: The movement must refuse burnout as praxis. The political imaginary includes rest, recovery, and interdependence as vital forms of resistance.

Demands and Proposals

A loose manifesto emerged:

  • Hybrid Union Models: Dance-specific associations federating with labour movements rather than merely fitting into them.
  • Shared Benefit Funds: Health, emergency, and pension pools accessible to independent artists.
  • Networked Governance: Rotating regional assemblies within TanzAllianzen to deliberate resources and conflicts.
  • Time Commons: Protected time for rest, reflection, and collective study.
  • Radical Granting Logic: Funding bodies must cede control—trust collectives and fund the unquantifiable.
  • Transversal Alliances: Build solidarities between dance, care, education, and climate movements.
  • Mutual Aid & Redistribution: Distribute surplus, however small, as Siegmar’s soup reminded us: generosity is infrastructure.

Training for Political Imaginaries was a generative confrontation of futures. It staged a refusal: that dance must be tamed by the market, that the artist must be solitary, that creative life is an individual contract with precarity.

From Berlin’s labouring bodies rose a collective dare:

To build dance worlds that resist commodification.

To fold care into structure.

To reject isolation.

To insist that imagination itself is a political infrastructure.

This gathering was an event to spark hope and action—alive, unresolved, contagious. May its embers spread, not only as a network but as a living terrain for solidarity and counterpower.


A collaboration between FreelanceDanceEnsembleBerlin, ZTB e.V. and Tanzbüro Berlin in the frame of TanzAllianzen. TanzAllianzen is funded by the Performing Arts Fund from funds provided by the Federal Government Commissioner for Culture and the Media. The Berlin Satellite is cofinance by the Berlin Senate Department for Culture and Social Cohesion. With the kind support of Diorama.

Statement Freelance Dance Ensemble Berlin

Die aktuellen Haushaltskürzungen bedrohen die Existenz, die kontinuierliche Arbeit und die Zukunftsperspektiven der freiberuflichen Zeitgenössischer Tanz/ Performance- Künstler*innen und Akteur*innen Berlins, ihre Infrastrukturen und ihre Spielstätten. Mit dem Freelance Dance Ensemble Berlin wollen wir Sichtbarkeit für Expertise, lokale und internationale Relevanz und Vernetzung der dynamischen Performing Arts-Landschaft in Berlin schaffen.

Jeder Projektantrag erfordert eine zeitintensive Vorbereitung, die eine Gestaltung komplexer Zeit- und Budgetpläne und die sorgfältige Zusammenstellung von künstlerischen Teams beinhaltet. In der letzten Förderrunde wurden nur ca.9% der Anträge zur Einzelprojektförderung positiv entschieden. Bedingungen und Höhe der Fördermittel werden dem qualitativen und kreativen Potenzial der international geachteten Berliner Zeitgenössischer Tanz/ Performance-Kunst nicht gerecht. Laut
Systemcheck BFDK 2021-23/TanzAgenda24 sind 92% der Tanzschaffenden
soloselbständig und haben mindestens einmal im Lebensverlauf ein
Jahreseinkommen von 12.231,00€.

Wir fordern eine Umstrukturierung des Berliner Fördersystems im Dialog mit der Gemeinschaft der in dem Bereich Zeitgenössischer Tanz/ Performance arbeitenden Akteur*innen: Statt kopfloser Kürzungen, die den erreichten Fortschritt und die Errungenschaften der Szene zunichtemachen, fordern wir ein zukunftsweisendes Update, eine gemeinsam erarbeitete Strategie, die eine generative und nachhaltige Zukunft fördert.

Neben der Rückgängigmachung der Kürzungen fordern wir außerdem verbesserte Arbeitsbedingungen:

● Bessere (oder: angepasste Bestimmungen zur) sozialversicherungsrechtliche
Absicherung
● Vereinfachte Regelungen beim Arbeitsmarktzugang für ausländische
Künstler*innen
● Entgeltfortzahlung bei Krankheit oder Arbeitsunfällen ab Tag 1 sowie ein der
komplexen Erwerbsrealität angepassten Zugang zu Arbeitslosenversicherung
● adäquat formulierte Altersvorsorge auch bei wechselnden
Arbeitsverhältnissen.e
● ein Bekenntnis des Berliner Senats zur Schaffung nachhaltiger
Arbeitsbedingungen für die freie Szene und zur Professionalisierung der
Infrastrukturen für selbständige Berliner Künstler*innen

Die geplanten Kürzungen und ihre unilaterale Umsetzung – ohne Rücksprache mit den am meisten Betroffenen – sind in unseren Augen nicht nur ein Symptom für die Ignoranz und Unkenntnis gegenüber unseren ohnehin schon prekären Arbeitsbedingungen, sondern auch ein Beleg für das fehlende Verständnis der komplexen Strukturen, die unserer Arbeit zugrunde liegen. Diese Strukturen sind die Grundlage für unsere oft interdisziplinären, kollaborativen und hoch engagierten, politischen und sozialen, performativen Praktiken.

Hiermit laden wir den Berliner Kultursenator und andere maßgebende
Politiker*innen dazu ein, in einen Dialog mit uns zu treten, um ein tieferes
Verständnis dafür zu erlangen, wie wir arbeiten und welche Bedingungen und
Infrastrukturen unsere Arbeit erfordert.

Im Bereich Zeitgenössischer Tanz/ Performance tätig zu sein bedeutet heute viel mehr als Bühnenwerke zu schaffen, zu proben und auf Tournee zu gehen. Es umfasst auch künstlerisch-wissenschaftliche Forschung, Praktiken der Fürsorge und soziale Arbeit, politische Arbeit, kontinuierliches Lernen, Lehren, Mentoring, essayistisches Schreiben, Management, Organisations – und Produktionsarbeit. Die 100-prozentige Abschaffung von Strukturen – wie etwa das Projektbüro Diversity Arts Culture, das Kulturschaffende über Jahrzehnte aufgebaut haben – ist ein Akt der Zerstörung und der Missachtung, insbesondere gegenüber marginalisierten Gruppen.

Wir weisen darauf hin, dass es durchaus Beispiele dafür gibt, wie Kulturarbeit
nachhaltiger gestaltet werden kann. In Nachbarländern wie Frankreich und Belgien haben freischaffende Künstler*innen Zugang zum „status d’intermittence“, einem System, das in Zeiten der Arbeitslosigkeit oder bei Verletzungen Unterstützung bietet. In einem wirtschaftlich so starken Land wie Deutschland ist es unverhältnismäßig, dass freischaffende Künstler*innen und Ihre Co-Akteur*innen weit mehr als 40 Stunden in der Woche arbeiten, aber keine Aussicht auf eine Rente haben.

Künstlerische Expertise ist das Resultat einer kontinuierlichen finanziellen Investition in künstlerische Forschung und künstlerische Arbeit. Sie entsteht durch Zusammenarbeit und ist das Ergebnis der engagierten Arbeit vieler Menschen, von kompetenten und hochgradig ausgebildeten Teams, die Künstler*innen in langen Schaffensprozessen unterstützen.

Die Stadt Berlin und ihre Bewohner verdienen eine diverse, reiche, blühende
Kunstszene und Künstler*innen, die nicht in der Prekarität gefangen sind.
Angesichts der drohenden Kürzungen schlagen wir vor, einen kollektiven Prozess zur Entwicklung einer Gewerkschaft einzuleiten, um unsere Arbeit, unsere professionellen Bedürfnisse und unsere Rechte einzufordern und zu vertreten.

ÜBER DAS Freelance Dance Ensemble Berlin:
Ein loses Kollektiv von Künstler*innen und Akteur*innen des Feldes
Zeitgenössischer Tanz/ Performance hat diese Webseite und Initiative entwickelt, um ihre Kolleg*innen wertzuschätzen, um die Komplexität ihrer Arbeit hervorzuheben und um Widerstand gegen die drohende Haushalts-Katastrophe zu leisten, eine Katastrophe, die alle freischaffenden Künstler*innen und Akteur*innen derzeit massiv bedroht.

Die Initiator*innen sind:
Claire Vivianne Sobottke, Jared Gradinger, Silke Bake, Siegmar Zacharias, Sheena McGrandles, Martin Hansen, Jule Flierl &Laurie Young.

Links:

FREELANCE DANCE ENSEMBLE BERLIN – STATEMENT

https://docs.google.com/forms/d/e/1FAIpQLSeQJ5TwXv3JL10pxkIjEob-1Ykcx0b6QuWN2Z_X-CNttzAauw/viewform

Kontakt: freelancedanceensembleberlin@gmail.com

Statement ZTB Tanzraum Berlin, December 2024

We are shocked and disappointed by politicians’ current decision to cut Berlin’s cultural budget by 13%. This demonstrates the complete lack of understanding of Berlin’s unique, diverse and inclusive art scene and what it has to offer to the city. All the protests over the last few weeks – the two big demonstrations ZTB contributed in organizing – seemingly failed to make an impact on the politicians. The senator for culture is tacitly looking away, allowing the independent scene to be dismantled.
The uncertainty – the question as to whether or not promised funding will be paid in 2025 – is blocking our work. The situation is dramatic, as never before. Nevertheless, instead of falling into a sense of desperation, let’s continue to gather together, protest and most importantly: stand together in solidarity. We artists demand immediate support from all funded structures, as it is well known, nothing of what Berlin is today could exist without us.

ZTB Zeitgenössischer Tanz Berlin e.V. Board – Julia Barrette-Laperrière, Armin Hokmi, Martha Hincapié Charry, Günther Wilhelm, Jasmin İhraç